Künstler*innen

(*) 1977 | | www.recordingsforthesummer.de/barthel

Mitsprache reden wir nicht (Sprechkonzert)

„Mitsprache reden wir nicht“ ist ein Konvolut von Sprechstücken, generiert aus der Recherche zur damaligen Punk-Szene Karl-Marx-Stadts und verbunden mit Fragestellungen an das Verborgene, die Sprachlosigkeit, die Voraussetzungen und Möglichkeiten einer eigenen Sprache, einer Eigensprache. Die Imagination, die sich aus der vor allem von außen wahrgenommenen Sprachlosigkeit formt, bildet das Interesse dieser Arbeit. Ebenso fragt sie nach Bedingungen für Geschichtsschreibung und steht exemplarisch für andere Städte in der ehemaligen DDR, fern der Epizentren Ost-Berlin, Leipzig, Halle und Dresden. Die ewige Provinz, der eine Artikulation fehlt? Der fremde Einheimische?

„Mitsprache reden wir nicht“ wird auf den Begehungen als Sprechkonzert uraufgeführt und ist nicht etwa wie sonst lauthals, sondern fügt sich in diese (vielleicht erzwungene) Stille der teils menschenleeren Parzellen ein.

(*) 1979 | Berlin | www.thomas-behling.de

Deutsche Kolonien (Fruchtaufkleber aus aller Welt auf historischem Sammelbogen für Briefmarken der deutschen Kolonien)

Auf einem historischen Sammelbogen für Briefmarken der deutschen Kolonien sind Fruchtaufkleber aus aller Welt gesammelt. Bei näherer Betrachtung zeigt sich schnell, dass hier nicht eins zu eins die historischen Kolonialstrukturen in der Gegenwart gesucht werden.

Doch die Praktiken der modernen Landwirtschaft zeigen gerade auch im Obstanbau und dem damit einhergehenden weltweiten Handel, Ausbeutungsstrukturen in sozialen wie ökologischen Belangen. Die globale Landwirtschaft verfolgt weniger das Ziel, die Ernährung der Menschheit zu sichern, sondern orientiert sich mehr am Profit Einzelner: auf Kosten sozialer Strukturen und zukünftiger Generationen.

(*) 1986 | Leipzig/Dresden

Poetische Diagramme (Digitaldruck)

Die poetischen Diagramme untersuchen Text und Bildfläche als Träger von Information und Struktur. Sie beschäftigen sich mit dem (scheinbaren) Widerspruch von Poesie und Logik. Jedes Diagramm ist konkret und imaginiert mögliche Zusammenhänge von Wörtern und deren inhaltlichen wie typografischen Eigenheiten. Für die Begehungen 2018 entstehen auf den Ort und die ausgestellten Kunstwerke bezogene Diagramme.

(*) 1960 | Wien

Der Stümper – Heimwerkerkurse für Gartenfreunde – ein Provisorium (Performance, experimentelle und interaktive Skulptur)

Nachdem mitteleuropäische Gartenschuppen oft nicht viel mehr anzubieten haben als halbleere Klebebandrollen, löchrige Gummistiefel und verrosteten Blumendraht, um im Garten eine geniale Idee zu verwirklichen, ist „wildes Denken“ immer mal das Mittel der Wahl, um die gewünschten Resultate zu erzielen. In Heimwerkerkursen sollen daher den interessierten Gartenfreund*innen die Grundzüge moderner Selbstversorgung näher gebracht werden, wobei Improvisation, Kreativität und Sparsamkeit klar im Vordergrund stehen.

(*) 1984 | Dresden | www.robert-czolkoss.de

Die gelbe Form (Objekt)

Den Ausgangspunkt für die Arbeit bildet die Untersuchung und Erfindung einer unbekannten Form, die sich erst durch das Vorhandensein und Betrachten erschließt. Bevor die eigentliche Arbeit realisiert wird, erstelle ich kleine Holzmodelle, denn die Form entsteht nicht aus der Zeichnung heraus, sondern aus dem Prozess des Modellbauens, in der jede zugefügte Leiste auf die vorherige reagiert. Im Kontext der Begehungen schafft die gelbe Form einen Kontrast zum Gartenidyll und dessen Landschaft. Der lineare Charakter, der eine Anspielung an einer urbanen, architektonischen Ästhetik darstellt, bestärkt das Fremdartige und Unpassende.

(*) 1990 | Hamburg

Flaggenland (Dokumentarfilm)

Denis ist 9 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in einer frisch sanierten Doppelhaushälfte in einer deutschen Vorstadt. Seit einigen Jahren sammelt er Flaggen. Mittlerweile kennt er die dazugehörigen Länder und Regionen; hat auf diesem Gebiet eine Expertise erlangt, welche die seiner erwachsenen Gesprächspartner in der Regel übersteigt. Seine Familie hat sich damit arrangiert, im Alltag von Fahnen umgeben zu sein. Die Garage, der Garten und die Terrasse sind Flaggenland.

(*) 1971 | Berlin | www.ankedeichmann.de

„Revolverblüher (Phalaenopsis cwww.ankedeichmann.deelebensis)“ (Linolschnitt)

1993 zeichnete ich wieder einmal Pflanzen, genauer gesagt Unkraut, und stellte erstaunt fest, dass Pflanzen geniale Bildhauer sind. Von dem Tag stellte ich meine eigene künstlerische Arbeit ein und fing an, Kunstwerke von Pflanzen zu sammeln, denn...Pflanzen sind die besseren Bildhauer.

Pflanzen sind sehr fleißig und arbeiten unentwegt. Ist es zu kalt, heiß oder trocken streiken sie. Gießt man sie zu sehr, sterben sie. Pflanzen liefern sich Kämpfe um die besten Plätze in einer Ausstellung. Das Ergebnis ist aber immer ästhetisch und harmonisch.

(*) 1986 | Leipzig | www.garff.de

Insektenkästen (Objekte aus Fundmaterial in Holzkästen)

Angelegte Insektensammlungen, lange Zeit ein Steckenpferd des Bildungsbürgertums, präsentieren ausschnitthaft den Farb- und Formenreichtum der Natur. Gleichzeitig manifestieren sie ein klares Machtverhältnis zwischen Mensch und Natur. Insekten werden systematisch gesammelt, getötet und in ein taxonomisches System eingeordnet. Sie werden in den Kästen zu kultivierten Objekten.

Die Insektenkästen von Matthias Garff zitieren diese Kulturpraxis. Sie zeigen auf, wie stark unsere Wahrnehmung von Natur von ästhetischen Kriterien geprägt ist.

(*) 1967 | Berlin/Potsdam | www.claudiahajek.de

Layers (Installation)

Ein brachliegendes Gelände übt oftmals eine besondere Magie aus. Vielleicht, weil es verschiedene Zeitschichten beinhaltet oder weil es das vorübergehende Resultat ganz unterschiedlich formender Prozesse ist. Claudia Hajek geht der Frage nach, wie sich Raumkoordinaten verändern, wenn ein von Menschenhand geplantes und angelegtes Stück Natur sich selbst überlassen wird. Welche Auswirkungen haben Wind, Wetter, Pflanzen und Mikroorganismen auf geometrisch geordnete Formen und Strukturen? Wo lassen Naturkräfte etwas Neues entstehen?

(*) 1987 | Hildesheim / Berlin | www.pleu.eu

Der Aufstand der Kleingartensiedlung - Neue Weltordnung (Live-Action-Role-Play, 3 Tage)

Unsere Recherche im Kleingartenverein 'Vereinte Kraft' nähert sich dem Kleingartenverein als Mikrokosmos Deutschlands. Die Siedlung als Abbild der Welt? Welcher Beliebtheit erfreuen sich Rote Beete, Bärlauch und Co, und wie gestalten die Erholungswütigen ihren Freiraum?

Das gesammelte Material bildet das Konzept für ein Live-Action-Role-Play. Jede/r ist eingeladen mit zu spielen. Die Rollen reichen von der Tomate über den Spaten, bis hin zum Kleingartenbesitzer selbst.

Wie würde die neue Weltordnung nach den Bedürfnissen von Kohlrabi, Kräuterspirale und Co aussehen? Alltag und Katastrophen, alles ist möglich.

(*) 1987 | Leipzig

like blossoms shaken from a tree, thousands of parachutes - white, yellow, red, green and black- floated down on Crete (Videoinstallation)

Die Installation thematisiert den Weg der Seide deutscher Wehrmachtsfallschirme - von der Seidenraupenzucht in Kleingärten über die Luftlandeschlacht um Kreta 1941 bis hin zu ihrer dortigen Wiederverwendung als Kleider und Taschentücher. Im NS-Propagandaprogramm zur Seidenraupenzucht, gesteuert vom "Reichsluftfahrtministerium", wurden ab Mitte der 1930er Jahre besonders Kleingartenvereine und Schulen adressiert, die der Eliteeinheit der Fallschirmjäger durch die Seidenraupenzucht zum Fallen verhelfen sollte.

(*) 1980 | Yerevan (Armenien)

Nachalo (DVD Video, 12 min. 20 sec.)

Ich begann mit der Arbeit am Video-Film “Nachalo” als eine Fortsetzung meines Projekts der „Garage Films“-Serie, das 2001 startete. Von Anfang an, nachdem ich den Kurzfilm “Nachalo” von Artavazd Peleshian gesehen hatte, der dem 50. Jahrestag der Oktoberrevolution gewidmet war, und dank des glücklichen Zufalls, dass sich die Oktoberrevolution zum 90. Mal jährte (2007), wurde mir klar, dass ich die kreativen Schichten freilegen musste, die Peleshian als Widerstand gegen das repressive Regime der Sowjetunion versucht hatte zu schaffen. In erster Linie nutzte ich bearbeitete, fertige, von Dritten gedrehte Archivsegmente, und befreite sie soweit wie möglich von ihrem Narrativ.

(*) 1982 | Amsterdam | www.guykoenigstein.com

Weißes Rauschen (und andere Privilegien) (Videoinstallation)

Die Videoinstallation, aufgenommen in einem abgelegten Dorf in den schweizer Alpen, umfasst zehn gleichzeitig ablaufende Episoden. Vor unterschiedlichen,  malerischen und friedlichen Hintergründen agiert der Protagonist - der Künstler - sprachlos und gedankenversunken in fiktiven Ausdauerübungen.

(*) 1993 | Leipzig | www.instagram.com/officialronny1

Herbarium (Lesung), Warum bin ich so traurig, meine Granatapfelblüte? (multimediale Lesung mit Rah Rezaei)

Das Herbarium ist wie ein Garten. Es trägt die Erinnerung der Pflanzen an sich selbst, und an die Wiesen und Wälder, denen sie entnommen sind.

Herbarium ist der Versuch einer literarischen Bestandsaufnahme, eine Katalogisierung des Organismus „Kleingartenkolonie“, der mitteldeutschen Natur- und Pflanzenwelt, ihrer historischen, politischen und gesellschaftlichen Auswüchse.

(*) 1988 / 1987 | Paris/Vienna/Wroclaw | www.lauraoriol.fr / www.jasminschaitl.com  

Circulate (Zirkulieren) (Performance)

“Zirkulieren” ist ein Versuch, die Durchdringbarkeit des Körpers gegenüber seiner natürlichen Umgebung auszudrücken. Wir rollen langsam und öffnen unsere Sinne, während wir den Boden mit unserer annähernd ganzen Körperoberfläche erleben, riechen und vielleicht sogar schmecken. Dennoch veranschaulicht das Rollen auch einen unerfüllten Versuch, die Trennung zwischen Menschen und ihrer natürlichen Umgebung aufzuheben und zu heilen. In der Tat offenbart der Schmerz, der in unserer Körperbeziehung mit harten oder scharfen Oberflächen erlebt wird, diese Trennung.

(*) 1978 | Berlin | www.yiannispappas.com/

Anesidora (Klanginstallation)

Die Klanginstallation dreht sich um das Thema Anthropodizee, was wörtlich bedeutet “der gerechtfertigte Mensch”. Der Ausdruck Anthropodizee (altgriechisch: ánthrōpos „Mensch“ und díkē „Gerechtigkeit“) ist zusammengesetzt aus den Begriffen Theodizee und Kosmodizee und beschreibt die Rechtfertigung der Güte der Menschheit. Das Konzept ist inspiriert von der Pandora, in Verbindung mit der Interpretation als Anesidora, die Gaben spendende Göttin der Erde. Angelehnt an diesen Mythos repräsentiert das Kunstwerk den Eingang zu einem Keller, in dem alle Kriege der Menschheit weggeschlossen sind. Wahrnehmbar sind ausschließlich die Kriegsgeräusche.

(*) 1964 | Leipzig | www.uterichter.de

Der 15. Januar 1919 war ein Mittwoch (2017, Zeitungsdruck, 32 Seiten, Lubok Verlag)

Was haben gerasterte Pflanzenposter mit aktuellen Tendenzen national motivierter Gewalt zu tun? Diese Frage wird mit der Arbeit „Der 15. Januar 1919 war ein Mittwoch“ künstlerisch gestellt. Sie will an eine alte Geschichte erinnern.

Die Pflanzenmotive für den Zeitungsdruck wurden dem Herbarium von Rosa Luxemburg entnommen. Am 15. Januar 1919 wurde sie ermordet, damit „Deutschland so schnell wie möglich wieder zu Ruhe kommt“ (Flugblatt Januar 1919). Ute Richter nähert sich der Geschichte der Revolutionärin an, indem sie mittels abstrahierter Pflanzendarstellungen die „Geschichte von Mord und Totschlag“ erzählt.

Landschaftstransformation (Skulptur, Design, Übermalung, Klang)

Der Kleingarten ist ein sehr intimer und persönlicher Ort - fast wie ein zweites Wohnzimmer. Er erzählt Geschichten über seine Besitzer, er offenbart Ihr Innerstes.

In diesem Spannungsfeld von Utopie und Wirklichkeit deutschen Kleingärtnertums entstand die Idee der Landschaftstransformation, die eine dystopische Parallelwelt zum Gartenklischee kreiert. Dabei liegt der Fokus nicht auf dem Hinzufügen, vielmehr wird das Vorgefundene verhüllt, übermalt und neu arrangiert. Beton dominiert grün, Kälte dominiert Wärme, Künstliches dominiert Natürlichkeit. Es entsteht eine schmerzhafte Karikatur, ein verzerrter Realitätsspiegel, eine düstere Zukunftsvision.

Ein Ort ohne Hoffnung. Ein Ort des Neubeginns?

(*) 1981 | Chemnitz | www.anettschuster.de

Kaffeekranz (Installation / Urbane Klöppelkunst)

Die Sparte bietet ein breites Feld der Möglichkeiten zwischen Organisation und Chaos, Wiederentdeckung der Spießigkeit oder Widerstand gegen angestaubte Regeln. Diese Vernetzung offensichtlicher oder scheinbarer Gegensätze greift die Installation „Kaffeekranz“ auf. Erzgebirgisches Klöppeln in Zeiten zwischen Ruf der Spießigkeit und nostalgischer Rückbesinnung auf traditionelle Handarbeit fasst als geistiges Spiegelbild des Schrebergartens den unabdingbaren Treffpunkt zwischenmenschlicher Beziehungen ein - die Kaffeetafel.

(*) 1987 | Düsseldorf / Wuppertal

Postwachstum (Pappmachee, Klang)

Die Arbeit Postwachstum lockt mit mit piepen, rascheln und rattern ins Gartenhäuschen. Seltsame Pflanzen haben es erobert. Sie wuchern teils tropfsteinhöhlenartig im Raum, machen das Häuschen nahezu unbetretbar.

(*) 1990 | Weimar / Leipzig | sndr.space

Trance-Dusche (Klanginstallation)

Inspiriert von David Tudors Rainforest IV erforscht die Arbeit die Materialität des Klangs und operiert an der Schwelle zwischen Hören und Fühlen. Die Anordnung der Schallquelle über dem Kopf führt zu einer „behüteten“ Atmosphäre, die sich durch die erlebten Klänge klar von der Umgebung abhebt und einen eigenen akustischen Raum öffnet. Schließt man die Augen, so wird der Raum erfahrbar und wandelt sich, wird stets tiefer und weiter und formt sich zu einer ganz individuellen Reise …

(*) 1981 | Berlin/Leipzig | www.danieltheiler.de

Gurkenparadies (Installation)


Die Installation Gurkenparadies zieht das Bild der
Schlangengurke heran, die durch die mittlerweile wieder abgeschaffte EU
Gurkenverordnung so etwas wie ein Symbol der Überregulierung
geworden ist. In der Arbeit wird die Stadt als regulierte, kuratierte Norm-
Gurke angesehen, die Peripherie hingegen als krumme aber freie Gurke
außerhalb der Norm. Sie steht sowohl für Eigenanbau und Eigeninitiative,
als auch für Laissez-fair und urban sprawl.

(*) 1986 | Berlin | www.tina-wilke.net

Heilige Kolonien (Videoinstallation)

Im Kontext der aktuellen europäischen Identitätskrise kann der Blick in den eigenen Vorgarten besonders aufschlussreich sein. Neben Kräutern und Blumen ragen dort häufig die Gartenzwerge hervor. Doch bei genauem Hinsehen stellen die Besucher*innen der Begehungen fest, dass es sich nicht um die heimischen Zwerge, sondern um Wesen aus der exotischen Ferne handelt.

In meiner Videoinstallation möchte ich das in Deutschland allseits bekannte Bild des Gartenzwergs mit denen der säkularen Heiligen aus Lateinamerika austauschen und diese anstatt der Zwerge in den Chemnitzer Schrebergarten bringen.