Begehungen 2020

Die Künstler*innen 2020

Christoph Mügge (Malmö)
Lena Kemmler (Berlin)
Jonathan McNaugton (Leipzig)
Sven Bergelt & Kai-Hendrik Windeler (Leipzig)
Operation Himmelblick (Berlin)
Juliane Meckert & Nadja Hoppe (Berlin/Leipzig)
Boohri Park (Dresden)
Yiannis Pappas (Berlin)
Jana Mertens (Leipzig)
Thomas Georg Blank & IŞIK KAYA (San Diego)
Michael Heindl (Wien)
Andrea Ziegler (Hamburg)
Adam Knight (London)
Anne Arndt (Köln)
Christian Krieter (München)
Valeria Drotskaja (Leipzig)
Frenzy Hoehne ( Leipzig)
Theresa Hattinger (Wien)
Constanze Klar (Braunschweig)
Florian Schurz (Leipzig)
Arijit Bhattacharyya (Weimar)
Lizz Brady (Manchester)
Danilo Milovanovic (Ljubljana)

Das Festivalprogramm

Der Festivalort: Kaufhalle und Plattenbau

Die größte Plattenbausiedlung von Chemnitz wird die Kulisse für die diesjährigen „Begehungen“ sein. Als Wohngebiet „Fritz Heckert“ – umgangssprachlich auch Heckertgebiet – wurde es ab 1972 in Karl-Marx-Stadt erbaut. Es erstreckte sich über die drei Stadtteile Kappel, Helbersdorf und Markersdorf und war mit knapp 90.000 Einwohnern die drittgrößte Plattenbausiedlung der DDR. Unterteilt war es in die neun Baugebiete 0 bis VIII. Letzteres entstand in den 1980er-Jahren. Dessen zweiter Teilabschnitt war einer der letzten Atemzüge des DDR-Wohnungsbaus. Zu den erst kurz vor der Wende fertig gestellten Gebäuden gehörte das Einkaufszentrum an der Straßenbahn-Endhaltestelle Hutholz. Die mittlerweile seit Jahren verlassene Kaufhalle wird das Zentrum unseres diesjährigen Festivals sein.

Zunächst ein kleiner Exkurs in die Geschichte der ostdeutschen Plattenbaugebiete: Mit der Formalismusdebatte zu Beginn der 1950er-Jahre wurden die Errungenschaften des Bauhauses in Kunst und Architektur abgelehnt. Die Neubauten orientierten sich in der DDR am „sozialistischen Realismus“, der heute unter anderem noch an der Karl-Marx-Allee (ehemals Stalinallee) in Berlin Mitte und Friedrichshain zu finden ist.

Bereits ab Mitte der 50er-Jahre wurde zunehmend – vor allem aus ökonomischen Gesichtspunkten – die Industrialisierung des Wohnungsbaus gefordert. Man besann sich zunehmend auf die Ideen des Modernen Bauens was schließlich darin gipfelte, dass 1971 die Beseitigung des Wohnungsproblems bis 1990 als Staatsziel formuliert wurde. Damit begann – begründet mit den Prinzipien des Bauhauses – die großflächige Planung der Plattenbaugebiete. Im Zuge dieses Masterplans entstand auch das Wohngebiet „Fritz Heckert“ in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz).

Unser Festivalzentrum – eine ehemalige Kaufhalle – liegt im letzten Teilabschnitt, der erst kurz vor der Wende fertig gestellt worden ist. Die Kaufhalle selbst ist ein Produkt des volkseigenen Wohnungsbaukombinats "Wilhelm Pieck" Karl-Marx-Stadt. Hier wurden neben den verschiedenen Typenbauten für Wohngebäude auch die Sonderbauten wie Versorgungszentren, Schwimmhallen und eben auch Kaufhallen geplant und landesweit nach gleichem Muster gebaut.

„Unsere“ Kaufhalle war eines der letzten Gebäude, die im Wohngebiet „Fritz Heckert“ fertig gestellt worden ist. Sie eröffnete 1988/89 und diente als Nahversorgungszentrum.

Mit dem gesellschaftlichen Umbruch in der DDR verloren die Plattenbaugebiete in der gesamten DDR an Attraktivität, zusätzlich gab es einen erheblichen Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung. Die Folge war ein hoher Leerstand in diesen Siedlungen. Ende der 1990er-Jahre begann ein großflächiger Rück- und Umbau des Wohngebietes. Es wurden ganze Häuserzeilen abgerissen oder auch Gebäude um einige Etagen gekürzt. Insgesamt wurde das ehemalige Fritz Heckert Gebiet (gemessen an den Wohneinheiten) bis 2009 um rund ein Drittel „verkleinert“.

Der Umbau und die Umstrukturierung sind im direkten Umfeld unseres Festivalzentrums gut sichtbar. Die Nachbarschaft rings um die Kaufhalle teilen sich sanierte und unsanierte Plattenbauten mit ganz jungen Neubauten der vergangenen Jahre und den freien Feldern am Rande von Chemnitz. In diesem Spannungsfeld richten wir unser diesjähriges Festival aus.



Das Festival

Die Begehungen

Das Kunst- und Kulturfestival Begehungen findet seit 2003 in Chemnitz statt - als größtes Off-Kultur-Event der Stadt. Markenzeichen ist eine unkonventionelle und niederschwellige Herangehensweise an Kunst. Die Begehungen sind aus diesem Grund nicht nur eine temporäre Kunstausstellung, sie sind ein sozialer Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Prägungen. Ein umfangreiches Rahmenprogramm, bestehend aus Performances, Lesungen und Konzerten, ist ebenfalls wesentlicher Bestandteil des Festivals.

Wichtig und dem Festivalname verpflichtet ist die Tradition des jährlich wechselnden Ortes. So waren neben Mikro-Arealen auf dem Sonnenberg und dem Brühl u.a. ein ehemaliges Gefängnis, eine alte Schule, der Kulturpalast Rabenstein, eine Gartensparte und verlassene Industriegebäude Orte des Kunstfestivals.

Die Begehungen verstehen sich als inklusives und barrierearmes Festival mit umfangreichen Angeboten. Der Eintritt zu allen Programmpunkten sowie zu der Ausstellung ist frei.

Über uns

Wir haben eine gemeinsame Idee. Einer baut gern, eine redet gern. Manche entdecken gern ungenutzte Orte. Alle freuen sich auf Besuch aus anderen Ländern und auf junge Kunst.

Eine interessiert sich für Musik und Bands, einer mag Theater. Einige wollen sich am Geschehen in der Stadt beteiligen, andere nur ein schönes Wochenende haben.

Eine lötet und verkabelt, einer denkt über Chemnitz und Europa nach. Manche bringen gern Licht ins Dunkle, andere wollen Barrieren abbauen. Alle machen sich gern dreckig.

Wir möchten ein Festival für Alle. Hast Du Lust und Interesse bei uns mitzumachen? Dann zögere nicht und schreibe uns eine Mail: info [at] begehungen-chemnitz.de

Impressionen der letzen Jahre

Begehungen 2016: TA Lärm

Begehungen 2017: Institut Potemkin

Begehungen 2018: Jenseits von Beeten

Begehungen 2019: Rausch

Presse

Ansprechpartnerin

Anfragen bitte an Sarah Hofmann, presse[at]begehungen-chemnitz.de